Fachkräftemangel in der Steuerberatung

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Fachkräftemangel in der Steuerberatung: Stirbt ein ganzer Berufsstand aus?

Die Lage ist ernst. Steuerberater:innen und ihre Mitarbeiter:innen arbeiten längst am Limit. Überstunden sind keine Ausnahme mehr, sondern Alltag. Mandanten strömen mit immer komplexeren Anforderungen, gleichzeitig verschärft die Politik den Gesetzesdschungel. Wer heute in einer Kanzlei arbeitet, kennt das Gefühl: „Wir schaffen es gerade so – aber schon morgen könnte das Kartenhaus zusammenfallen.“

Die nackten Zahlen

  • Laut Bundessteuerberaterkammer sank die Zahl der Steuerberater:innen von 2024 auf 2025 um rund 1 %. Klingt nach wenig – doch in einer Branche, in der ohnehin jede Fachkraft gebraucht wird, ist das dramatisch.
  • Ausbildungszahlen stagnieren oder sinken. 2020 gab es noch über 18.100 Azubis, 2021 waren es nur noch 17.700. Der Trend hält an.
  • Rund 65 % aller Kanzleien geben an, massiv unter Fachkräftemangel zu leiden.

Kurz gesagt: Es kommen zu wenige neue Leute nach – während gleichzeitig die Alten in Rente gehen.

Warum kämpfen Kanzleien so sehr?

  1. Überlastung im Tagesgeschäft – Wer schon im Hamsterrad rennt, hat keine Zeit, Azubis oder neue Mitarbeiter einzulernen.
  2. Demografie – Viele Steuerberater:innen sind 55+, Nachwuchs bleibt aus.
  3. Imageproblem – Steuerfachangestellte gelten als „Buchhalter im Hinterzimmer“, statt als digitale Prozessmanager:innen und Unternehmensbegleiter:innen.
  4. Wettbewerb – Headhunter treiben Gehälter hoch, Kanzleien überbieten sich – echte Wertschätzung bleibt oft auf der Strecke.
  5. Digitalisierung – Kanzleien, die noch mit Pendelordnern arbeiten, schrecken junge Talente endgültig ab.

Was passiert, wenn nichts passiert?

  • Qualitätsverlust: Fehler steigen, weil Überlastung Alltag wird.
  • Mandantenfrust: Wartezeiten verlängern sich, Service leidet.
  • Berufsflucht: Junge Talente steigen aus, noch bevor sie richtig Fuß gefasst haben.
  • Kanzleischließungen: Kleine Kanzleien ohne Nachfolge verschwinden.

Mit anderen Worten: Der Beruf Steuerberater ist in seiner heutigen Form gefährdet.

BWLC: Wir haben die Zeichen erkannt

Auch wir bei BWLC spüren diesen Druck tagtäglich. Unsere 45 Mitarbeiter:innen leisten Herausragendes – und doch merken wir: Die Belastungsgrenze ist erreicht. Wir haben die Problematik verstanden und wissen, dass wir nicht länger warten dürfen.

Vor einigen Jahren haben wir ein Steuerberaternetzwerk gegründet, um Kanzleien zu vernetzen, Lösungen zu teilen und gemeinsam gegen den Fachkräftemangel anzutreten. Damals ist dieses Netzwerk leider eingeschlafen. Aber heute, im Jahr 2025, ist klar: Es ist höchste Zeit, diesen Gedanken wieder aufleben zu lassen.

Denn: Die Branche braucht Zusammenhalt, Austausch und Mut, neue Wege zu gehen.

Der Ausweg: 5 Hebel für Kanzleien

Es gibt Hoffnung – aber nur, wenn Kanzleien jetzt handeln:

  1. Ausbildung ernst nehmen
    Nicht nebenbei, nicht halbherzig. Mit Mentoren, klaren Lernplänen und echter Wertschätzung.
  2. Onboarding neu denken
    Struktur, Buddy-Systeme und kleine Erfolge machen den Einstieg leichter.
  3. Arbeitsbedingungen verbessern
    Flexibilität, klare Karrierewege, echte Work-Life-Balance – nicht nur Lippenbekenntnisse.
  4. Digitalisierung nutzen
    Routinen automatisieren, moderne Tools einsetzen, Mitarbeitende schulen.
  5. Image aufpolieren
    Raus aus der verstaubten Ecke: Auf Social Media zeigen, wie vielseitig, digital und spannend die Arbeit ist.
  6. Kooperationen aufbauen und verstärken

Fazit

Die Steuerberaterbranche steht an einem Scheideweg. Entweder wir lassen den Beruf langsam ausbluten – oder wir packen es jetzt an, modernisieren, digitalisieren und investieren in Menschen.
Wir bei BWLC haben uns entschieden, nicht länger zuzuschauen, sondern Lösungen zu entwickeln – für uns und gemeinsam mit anderen Kanzleien.

Der Fachkräftemangel ist kein Naturgesetz. Er ist die Folge jahrelanger Versäumnisse. Und er lässt sich stoppen – wenn wir Kanzleien endlich gemeinsam handeln.