Harald Braschoss

Die BWLC Steuerberatungsgesellschaft berät und referiert seit Jahrzehnten zur Thematik Unternehmensnachfolge

Dipl.-Kfm. Harald Braschoß, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Fachberater für Unternehmensnachfolge im Interview

Herr Braschoß, Sie sind jetzt seit ca. 20 Jahren schwerpunktmäßig in Sachen „Unternehmensnachfolge“ unterwegs. Wo haben aufgrund Ihrer Erfahrungen die Unternehmer die größten Probleme? Was sind die dringendsten Fragen?

Die Hauptfrage, die in fast allen Nachfolgefällen, mit denen ich zu tun hatte, immer wieder hochkam, war:

„Wie beginne ich meinen Nachfolgeprozess?“

Aus dieser Frage ist ersichtlich, dass viele Unternehmer aufgrund der Komplexität dieser Materie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.

Angesichts der zu berücksichtigenden rechtlichen, wirtschaftlichen, steuerlichen personellen Faktoren ist es verständlich, dass einem Laien hierbei bange wird. Daneben möchte der Unternehmer diese Faktoren unter Berücksichtigung seiner persönlichen Zielsetzungen umsetzen, so dass viele Unternehmen bei diesem Gemisch aus notwendigen Regelungen und selbst gesteckten Zielen zunächst einmal gar nichts unternehmen.

Verstärkt wird diese Situation dadurch, dass die meisten Unternehmer keinen festen Ansprechpartner haben, der sie beim Weg durch dieses Labyrinth begleitet und unterstützt.

Der Haussteuerberater ist typischerweise auf sein Standardgeschäft konzentriert und besitzt nicht das erforderliche Know How für Nachfolgethemen und wenn, dann nur für einen kleinen Bereich der steuerlichen Aufgabenstellung.

Welche Aufgaben muss ein Berater im Rahmen der Unternehmensnachfolge denn abdecken?

Da die Regelung der Unternehmensnachfolge, und meines Erachtens fällt hierunter auch die private Vermögensnachfolge, das gesamte Vermögen und dessen Übertragung auf Nachfolger betrifft, kann kein einzelner Berater die hiermit verbundenen Erfordernisse alleine erfüllen:

Soll z.B. das Unternehmen veräußert werden, benötigen Sie einen Experten, der den Käufermarkt kennt, der weiß, welche Schritte zur Auffindung des richtigen Unternehmenserwerbers gegangen werden müssen;

Zur Definition eines angemessenen Verkaufspreises benötigen Sie eine interne marktorientierte Unternehmensbewertung;

Brauchen Sie vielleicht einen Geschäftsführer, der das an die Nachkommen zu übergebende Unternehmen künftig führen sollte, benötigen Sie einen Personalberater, der passgenau den hoffentlich richtigen Nachfolger sucht;

Bei der Übergabe auf den Sohn oder die Tochter benötigt der „Nachwuchs“ ggf. Hilfestellung durch einen externen Coach, der ihm im Rahmen des Übergabeprozesses das „Geschäftsführen“ beibringt, der hilft, Generationsprobleme zwischen Alt- und Jungunternehmer zu beseitigen;

Für die Erarbeitung der Nachfolgestrategie benötigen Sie einen Fachmann, genauso wie für die strategische Umsetzung in rechtlicher und steuerlicher Sicht.

Wie Sie sehen, ist Nachfolge keine Aufgabe, die durch einen Fachmann alleine gelöst werden kann. Stattdessen benötigen Sie für jeden Bereich den Richtigen. Wichtig dabei ist, dass diese Berater auf das Thema Nachfolge spezialisiert sind und dass alle diese Experten „an einem Strang ziehen“, der durch die Nachfolgestrategie gespannt wird. Darüber hinaus ist erforderlich, dass die Tätigkeiten der Experten koordiniert werden, damit die Ziele des Unternehmers optimal umgesetzt werden können.

Um dies zu gewährleisten, hat unsere BWLC vor ca. 10 Jahren den Verein „Die Nachfolgeexperten e.V.“ gegründet, dessen Mitglieder ausschließlich auf Unternehmensnachfolge spezialisierte Berater aus den für eine Nachfolge erforderlichen Fachbereichen sind (Unternehmensvermittler, Personalberater, Koordinatoren, Bewertungsfachleute, Steuerberater, Rechtsanwälte, Mediatoren). Hierdurch können wir nachweislich komplexe und erfolgreiche Nachfolgen gestalten und realisieren.

Wie wichtig ist denn das steuerliche Problem der Unternehmensnachfolge?

Bei meinen Vorträgen und auch bei den Beratungsterminen gewinne ich sehr oft den Eindruck, dass viele Unternehmer das Steuerproblem als das vorrangige Thema sehen, obwohl es bezüglich der Nachfolge erheblich wichtigere Probleme zu lösen gilt.

Welche wichtigen Themen sind das denn?

In erster Linie ist das Kernproblem der Unternehmensnachfolge die Festlegung und Auswahl des richtigen Nachfolgers. Dies kann der interne Nachfolger (Sohn / Tochter / Verwandter) sein, was nicht bedeutet, dass das Verwandschaftsverhältnis für die Qualität eines Unternehmens maßgebend ist, das kann auch ein Fremdnachfolger sein, der entweder als Manager die Geschäftsführung übernimmt oder der als Investor sowohl Anteile als auch die Leitung des Unternehmens einnimmt.

Wenn dieses Problem nicht gelöst wird, braucht sich der Unternehmer um das Thema Steuern keine Sorgen mehr zu machen, weil ein Unternehmen ohne bzw. mit ungeeigneter Leitung nicht lange überleben wird.

Im Bereich der privaten Vermögensnachfolge (Immobilien etc.) stellt sich das Hauptproblem als Verteilungsproblem (Wer bekommt was?) aufgrund der Ziel- setzung, dass alle Kinder gleich behandelt werden sollen. Darüber hinaus ist das Versorgungsproblem der Senioren zu klären, sofern diese lebzeitig ihr Vermögen und damit die Basis ihres Lebensunterhaltes abgeben.

Das Thema Steuern ist im Bereich der privaten Vermögensnachfolge ebenfalls sehr wichtig, da es im Gegensatz zur betrieblichen Nachfolge mit Ausnahme unwesentlicher Vergünstigungen nur die persönlichen Freibeträge gibt, die aber aufgrund von zum Teil erheblichen Vermögenswerten nicht ausreichen, um die Übertragungen steuerneutral zu gestalten. Hier bedarf es dann zum Teil komplexer strategischer Bemühungen, um die steuerlichen Belastungen erfolgreich zu halten.

Besuchen Sie unsere nächste Veranstaltung zum Thema Unternehmensnachfolge des Vereins Die Nachfolgeexperten e.V. am 18. August 2021, 18:30 Uhr in Niederkassel